Ein Rundgang durch Rheda |
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| Rheda wurde 1220/30 als Burgflecken angelegt und 1355 mit Stadtrechten versehen. Die Häuser der Altstadt dokumentieren die wechselvolle Geschichte dieser ehemaligen Residenzstadt bis in das 20. Jahrhundert. Ihr Reiz liegt in der Vielfalt der unterschiedlichen Baustile. Wir beginnen den Rundgang auf dem Doktorplatz. Der Name wurde im 19. Jahrhundert durch den Volksmund geprägt, weil die Klienten eines Vieharztes zeitweise den Platz für ihre Tiere in Anspruch nahmen. Ursprünglich hieß er "der Platz, da die Linde stehet" und bildete innerhalb der ersten Plananlage von 1220/30 (Edelherr Hermann II zur Lippe) die Versammlungs- und Gerichtsstätte. Angrenzend lagen die Großparzellen der Burgmannenhöfe. Der Steinweg, einst Fluchtweg zur Burg, führt durch die Emsaue zur heutigen Schloßanlage. Zur Stadt hin verläuft die als ehemalige Marktgasse breit angelegte Hauptsiedlungsachse, die Lange Straße, heute Berliner Straße. Von ihr abzweigend die drei ersten Bürgergassen: Rosenstraße, Kleine Straße, Widumstraße. Doktorplatz 1603 wurde auf dem Lindenplatz das zweite Rhedaer Rathaus errichtet, 1856 wieder abgerissen. Eine Säule des Arkadenganges ist neben der Mauer wieder aufgerichtet. Hinter der Mauer die "alte Münze", erstes Apothekerhaus in Rheda, um 1604 erbaut. Um 1875 von Grund auf mit Baumaterialien der alten Münze, die im Orangerie- garten des Schlosses stand, renoviert und von daher benannt. Auffälligstes Haus am Platz: Gastwirtschaft Neuhaus. Das Haus wurde von dem Kaufmann und Arzt Hermann Andreas Wilmans und seiner zweiten Frau Cordula Segeler 1716 errichtet. Der auffällige Fassadenschmuck ist für das seit 1588 calvinistisch geprägte Rheda untypisch und entspricht mehr der Bauart des katholischen Wiedenbrück. Besonders schön die redenden Wappen (geblähtes Segel, wilder Mann) sowie der bei Cicero entlehnte lateinische Spruch. Übersetzung: "Ein Bleiben nicht gestattet die Natur, was sie vergönnt, ist ein Verweilen nur." Über die Lange Straße gehen wir in den "Großen Wall", früher Rosenstraße. Das Eckhaus (Bäckerei Heiringhoff) gehört zu den ältesten Fachwerkhäusern Rhedas, um 1550 erbaut. Die meisten giebelständigen Häuser zeigen die im calvinistischen Rheda bewußt bescheiden gestalteten Fassaden: kein Bilderwerk, als Inschriften überwiegend Bibelsprüche, wenig Lateinisches oder Mundartliches, oft nur Jahreszahl und Angabe des Bauherrn. In den eingestreuten traufständigen Häusern wohnten ursprünglich Bürger mit öffentlichen Funktionen (z. B. Wehrführer), wobei der Platz vor dem Haus als Sammelplatz diente. Auf den Gehflächen vor den Eingängen der Häuser häufig Handwerkerwappen der hier um 1820 angesiedelten Berufe. Leineweber überwiegen bei weitem. Es gab rd.100 gehende Webstühle in der Stadt. Wir gehen die Straße, die den Verlauf des ehemaligen Stadtgrabens hinter den Häusern anzeigt, weiter. Bemerkenswert Haus Nr. 54, ein Einraumhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Haus Nr. 44, ein Deelendurchgangshaus von 1606, das zeitweilig als Scheune diente. Die Abkürzungen im Torbalken stammen aus der Zeit um 1800. |
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| Witwenhaus | Mühlenhaus | ||
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| Drostenpalais | Domhof | ||
| Deutung: Stefan Stuchtey Maria Magdalena Eichholz Mansionem Christus Benedicat Das Haus Nr. 40 (Wirtschafts- von Wohnhaus getrennt), wurde von dem Notar und Rechtsanwalt Dr. Otto Georg Bücksilber (Totengedenkplatten an der evangelischen Friedhofskapelle) errichtet. An der Kreuzung mit der Kleinen Straße (früher Markt- und Lüttke Straße genannt) beginnt ein bemerkenswerter Versuch, die Altstadtbauten durch neue Architektur aufzunehmen und den Stilbruch zum überdimensionierten Rathaus zu mildern. Wir biegen in die Kleine Straße ein. Rechts und links typische Rhedaer Fachwerk- häuser, an dem sich öffnenden Platz rechts ein kleines Leinewebermuseum. Der sich stark verengende Straßenzug sollte im Mittelalter die Verteidigung erleichtern. Links das große Witwenhaus der Dorothea Susanna Schwengers (El Greco), erbaut 1732. Auffällig die dreifach vorkragende Fassade mit auf den roten Putz gemalten Ziegeln in den Gefachen, Deelentor hinten an der Traufseite, bleiverglastes Oberlicht über der Eingangstür; kam zum Ende des 19. Jahrhunderts an die Bethelstiftung, und alle nachfolgenden Eigentümer mußten bis in die jüngste Zeit Obdachlosen und Herumziehenden Herberge gewähren. Im Nebenhaus praktizierte der Armenarzt und engagierte Sozialpolitiker Dr. Lüning (1818 - 1868). Gedenktafel an der kleinen Mauer auf dem Doktorplatz. Am Rande des Doktor-Platzes das 1873 im gründerzeitlichen Stil erbaute Wohnhaus des Bäckers und Brenners Bonne (Deutsche Bank). Ein Stück weiter abgehend die Widumstraße (Wittum = Mitgift für den Pfarrer), benannt nach dem evangelischen Pfarrhaus (Reinigung Beckord), erbaut 1756 und zeitweilig als Schmiede genutzt, mit der Straße "In der Natelen" (Nadelstraße), die zum Gänsemarkt, heute Rathausplatz, führt. |
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