Ein Rundgang durch Rheda

 
  Auf der Berliner Straße weiter, rechts nach einem kleinen Park, das sogenannte alte Amtsgericht. Das Haus wurde um 1767 von dem Rhedaer Bürgermeister Fuhrmann begonnen, stand nach dessen Konkurs lange als Rohbauruine und wurde von dem Grafenhaus 1795 in seinem heutigen Zustand vollendet. Ein stattlicher Bau, dessen Mansarddach, die Gliederung durch Wandpfeiler (Pilaster), die Freitreppe sowie das barocke Treppenhaus besonders hervorzuheben sind. Im Innenhof zwei Fachwerkpavillions, die als Stall, Wagenremise und Gesindewohnung dienten.


Altes Amtsgericht

Die Berliner Straße weiter, bei Ackfeld links in die Straße am Rathausplatz, früher Kirchstraße, im 15. Jahrhundert HI.-Blut-Straße. Nach 100 m auf der rechten Seite die evangelische Stadtkirche. Das spätgotische Chor der Kirche, ursprünglich als Kapelle zum heiligen Blut im 14. Jahrhundert vollendet, wurde ab 1612 um eine neugotische Hallenkirche erweitert. Ein prächtiges Epitaph für Friedrich von Twickel (+ 1629) im Inneren links, ein weiteres der Anna von Bentheim-Tecklenburg (+1616) links im Chor. Die Fürstenempore aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts sowie die aus Bronze getriebene Taufschüssel (gestiftet 1616) sind ebenso wie Reste des alten Gestühls (Wangen mit geschnitzten Familienwappen und Hauszeichen) zu beachten.


Rathausplatz Ecke Berliner Straße

Unweit der Kirche das 1972 von Prof. Deilmann erbaute funktional gelungene Rathaus, das sich dem Stadtbild jedoch nur schwer anpaßt und den optischen Höhepunkt des flächensanierten Teils der Altstadt markiert.
Wir gehen zurück, zwischen Cafe und Turm der Kirche hindurch zur Bleichstraße. Dort sofort rechts, entlang dem Hotel Reuter, durch die Gasse über die Berliner Straße in die Hoppenstraße, die einst zum städtischen Hopfengarten führte. An ihrem Ende ein sehenswertes Fachwerkensemble mit dem schmalsten Haus Rheda-Wiedenbrücks auf der linken Seite, 3 m breit.
Ein kurzes Stück zurück, rechts ab, nach 50 m auf der rechten Seite ein von dem Stadt- und Landrichter Eberhard Huck 1616 erbautes Fachwerkhaus (Domhof), 10 das heute als Bürgerbegegnungsstätte genutzt wird. Sehenswertes Inneres mit interessanten Renaissancefenstern sowie der einzigen bekannten, auf Holz gemalten Lipperenaissancedecke im großen Saal (vermutlich Schule von Brachum, um 1640).
Gegenüber, hinter dem Parkdeck, das alte Drostenpalais (Kunsthaus Artes). Erbaut 1607 durch Friedrich von Twickel, 1721 durch J. Jörgens umgebaut. Das Palais war die Residenz des Drosten, des Stellvertreters des Landesherren.

Rathaus Pfarrkirche St. Clemens


Durch einen schmalen Weg vom Portal des Palais zur Berliner Straße. Rechts die Türme der katholischen Pfarrkirche St. Clemens, die im neuromanischen Stil 1910 von Josef Becker aus Mainz anstelle eines Vorgängerbaus von 1840 errichtet wurde. Von der alten Ausstattung sind zu erwähnen: Eine anbetende Muttergottes mit Kind, in Holz, Arbeit des Osnabrücker Meisters um 1510 sowie unter den Gemälden eine Tafel mit Kalvarienberg um 1470 (beide vorne rechts in der Kirche). Die Orgel mit 51 Registern stammt aus 1984.
Aus dem Hauptportal links in die Pixeler Straße - nach 20 m rechts - ein ansprechendes einstöckiges Haus von sieben Achsen mit Quaderputz, um 1800 erbaut von einem Ministerialen des Grafen namens Rötteken. Ursprünglich mit einer Auffahrt für Pferd und Wagen ausgestattet.

Zur Hauptstraße zurück, links ab, über die
Ems nach rechts in den Rosengarten, der für die Landesgartenschau 1988 angelegt wurde. Durch den Park, über die Ems- und Krökelteichbrücke gelangen wir in den Schloßgarten. Nach 100 m ein kleiner Apothekergarten unter der Rotbuche, davon abgetrennt der Rest des großen Schloß- gartens im Stil eines adeligen Bauerngartens mit einem Orangeriegebäude von 1874.

Auf den Steinweg zu, links zum Schloß. Eine Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert, auf einem künstlich aufgeworfenen Hügel (Motte) ab 1170 in Stein errichtet. Der Burg vorgelagert die Mühleninsel mit der Wassermühle von 1772, daran anschließend die Vorburg mit der Kanzlei von 1780 (links), sowie einem kleinen Kommödienhaus
(rechts). Anschließend der Marstall mit einem Kutschenmuseum und Ökonomiegebäude.
Über den inneren Graben gelangt man in den Schloßinnenhof.

Haus am Steinweg


Ältester Teil wohl der hintere Bibliotheksturm; baugeschichtlich interessanter der mächtige Torturm mit zweistöckiger Kapelle, eingebauten Emporen und Wohnturm (Marienfelder Bauhütte um 1220). Unter Arnold von Bentheim um 1604 stark verändert, sehenswert die Hofansicht des Wohnflügels im Stile der Weserrenaissance von 1612 sowie der barocke Haupttrakt nach Entwurf des Osnabrücker Ingenieuroffiziers Treu von 1745 - 47 mit Tapeten aus dem Elsaß im Inneren. Sitz des Fürstenhauses Bentheim-Tecklenburg.
Den Steinweg zurück, auf der linken Seite die alten Bleichen, heute durch einen unter Naturschutz stehenden Erlenbruch und Pappelwald überwuchert. In diesem, nach 100 m links, ein altes Mangelhäuschen. Kurz danach an der Gräfte beginnt der Wanderweg nach Wiedenbrück durch das Gelände der Landesgartenschau. Der Weg quert nach 100 m den Restarm des hier beginnenden ehemaligen Stadtgrabens.
Rechts am Steinweg ein Fachwerkhaus mit Schiefer in der Manier des 19. Jahrhunderts, sehenswerter Vorgarten; ursprünglich durch den Vorsteher der Judengemeinde in Rheda Leser Ems, der gleichzeitig in fürstlichen Diensten stand, erbaut.
Kurz danach der Krökelteich, der den gesamten Schloßgarten umgibt. Auf der linken Seite, ein von dem Rhedaer Kaufmann Gierke 1766 errichtetes Palais mit dreiseitig vortretendem Mittelrisalit, Rustikapilastern und doppelläufiger Freitreppe. Beachtenswert der dahinterliegende Bauerngarten.

Zwischen dem Krökelteich und der neuangelegten Schloßstraße erinnert ein Gedenkstein und Mahnmal an die an dieser Stelle 1938 zerstörte Synagoge und Judenschule.

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